Wie begeistert man Schülerinnen und Schüler fürs Lesen – besonders dann, wenn Bücher für viele (noch) keine Selbstverständlichkeit sind? Lisa Sprenger, Lehrerin im Vorbereitungsdienst einer 5. Klasse der Gudewerdt Gemeinschaftsschule in Eckernförde, hat mit unserem regionalen Kinderbuch „Abenteuer im Land der Wikinger“ und den dazugehörigen kostenlosen Unterrichtmaterialien genau das geschafft. In ihrem Deutschunterricht wurde das Buch nicht nur gelesen, sondern erlebt.
Regionaler Bezug als Schlüssel zur Motivation
Was Lisa sofort überzeugt hat, das Buch als Ganzschrift zu wählen, war der starke Lebensweltbezug: „Was für die Schüler im Alltag präsent ist, steigert ihre Motivation immens.“
Die Geschichte spielt an realen Orten im Nordosten Schleswig-Holsteins – Orte, die die Kinder kennen oder mit der Klasse oder in den Ferien mit der Familie selbst besuchen können. Genau diese Nähe machte den Unterschied: Schülerinnen und Schüler aller Lernniveaus waren neugierig, engagiert und wollten mehr erfahren.
Auch die Gestaltung des Buches spielte eine wichtige Rolle:
- kurze, überschaubare Kapitel
- gut lesbare Schrift und angenehme Zeilenabstände
- ansprechende, realistische Illustrationen auf fast jeder Doppelseite
Besonders die Bilder hatten eine große Wirkung. Dass sie klassisch gezeichnet und nicht KI-generiert sind, wurde von den Kindern bewusst wahrgenommen und geschätzt.
„Es war wie ein Reiseführer, den sie gern lesen. Immer wieder konnten sie sagen: Da war ich schon. Das hat sie motiviert, in den Austausch zu gehen.“

Stimmen aus der Klasse: Das sagen die Kinder
Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler (Namen auf Wunsch der Eltern geändert) zeigen deutlich, wie stark sie sich mit der Geschichte identifizieren konnten:
- Mia: „Ich fand gut, dass Lilly und Nikolas so viele Abenteuer erlebt haben und dass die Charaktere so nett und kreativ sind. Es wirkte alles richtig echt.“
- Sophie: „Die Abenteuer waren richtig spannend. Ich fand es toll, dass die Kinder im Buch so alt waren wie wir. Auch die Arbeitsblätter haben gut gepasst. Ich habe selbst einen Tagebucheintrag wie Lilly geschrieben – das hat mir besonders gefallen.“
- Aylin: „Die Illustrationen waren richtig schön und haben immer gut gezeigt, worum es geht. Die Geschichte hat mir insgesamt sehr gefallen, und ich mochte, dass es zu jedem Ort interessante Informationen gab.“
- Jonas: „Ich fand das Buch einfach cool, vor allem die Abenteuer. Mein Lieblingskapitel war das über Tolk.“
- Lukas: „Ich fand gut, dass man viele Orte schon kannte. Das hat es spannender gemacht.“
- Lena: „Es war aber auch toll, dass Orte vorkamen, die wir noch nicht kennen, wie die Eichhörnchenstation. Und ich mochte, dass man manchmal nicht genau wusste, ob Lilly träumt oder wach ist.“
Diese Rückmeldungen zeigen: Identifikation, Wiedererkennung und Entdeckung gehen Hand in Hand – ein entscheidender Faktor für Lesemotivation.
Lesen, erleben, erinnern: Unterricht mit echten Ausflügen
Ein Highlight des Unterrichts waren die außerschulischen Verknüpfungen. Lisa plante gezielt Ausflüge zu Orten aus dem Buch, zum Beispiel in die Bonbonkocherei oder den Strand am Ostsee Info-Center.
Vor jedem Ausflug wurden die entsprechenden Kapitel nochmals gelesen. So konnten die Kinder die Inhalte direkt mit der Realität verknüpfen.

Differenzierter Unterricht für alle Lernniveaus
Um der Heterogenität der Klasse gerecht werden zu können, differenzierte Lisa das Arbeitsmaterial entsprechend der drei Anforderungsniveaus. Ebenso hat sie die Unterrichtsmaterialien um ein Wortregister zur Wortschatzerweiterung ergänzt und hier und da noch sogenannte „Sprinteraufgaben“ erstellt. Das Buch und die Materialien boten dafür eine gute Grundlage.
Als auditive Unterstützungsmaßnahme hat Lisa zudem mit Einverständnis des Verlags die jeweiligen Kapitel zum Anhören zuhause eingesprochen und den Schülerinnen und Schülern digital als Lesehilfe zur Verfügung gestellt. Phasenweise wurde das Buch zudem auch gemeinsam im Unterricht gelesen.
Kreative Leistungsnachweise mit Bezug zur Geschichte
Lisa setzte zur Notenvergabe auf kreative Formate:
- Tagebucheintrag aus Figurenperspektive
- Präsentation des eigenen Lieblings-Ausflugsziels aus der Sicht eines Reise-Influencer, der Werbung für Schleswig-Holstein macht
So wurden Textverständnis, Kreativität und Präsentationskompetenz gleichermaßen gefördert.

Fächerübergreifendes Lernen inklusive
Ganz nebenbei lernten die Kinder auch viel über:
- Schleswig-Holstein, besonders ihre Heimatregion an der Ostseeküste
- die Wikingerzeit
- die dänische Minderheit
- geografische Zusammenhänge (z. B. durch die Karte im Buch)
„Dadurch, dass die Sachinformationen in die Geschichte integriert waren, haben sie sich diese richtig gut gemerkt. Das habe ich bei den Tagebucheinträgen und Präsentationen gemerkt. Davon können sie sicherlich im Weltkundeunterricht profitieren“, erklärt Lisa. „Und da ich ursprünglich nicht aus der Region, sondern aus dem südlicheren Schleswig-Holstein komme, habe selbst ich noch viel gelernt.“

Fazit aus der Praxis
Lisas Urteil: „Ich würde das Buch mit jeder 5. Klasse wieder lesen. Für die 4. Klasse ist es auch gut geeignet.“ Sie hat bereits an zwei Schulen die Anschaffung eines Klassensatzes initiiert und wird weiter mit dem Buch arbeiten.
„Höhepunkt des Projekts war der Besuch der Autorin Steffi Bieber-Geske bei uns in der Klasse. Sie hat nicht nur ein Kapitel gelesen, sondern auch mit den Kindern über die Region und das Buch geplaudert und ihnen erklärt, wie so ein Buch eigentlich entsteht. Einige Kinder sagten mir hinterher, dass das für die das schönste Erlebnis im Deutschunterricht dieses Schuljahr war.“
„Abenteuer im Land der Wikinger – Lilly und Nikolas unterwegs zwischen Schleswig, Kiel und Flensburg“ wurde in dieser Klasse zu mehr als nur einer Lektüre: Reiseführer, Motivationsschub und echtem Erlebnis.